„Zeit“ – unser neuer Luxus?

Ist Zeit Luxus?

„Wir müssen uns mehr Zeit nehmen.“

Den Satz höre ich in letzter Zeit immer öfter – und das von den unterschiedlichsten Menschen. Zeit? Zeit für was? Zeit für wen? Und wenn wir sie dann haben, diese Zeit, was machen wir dann mit ihr? Wissen wir sie dann zu nutzen oder sitzen wir sie gar nur ab?

Ist Zeit unser neuer Luxus und ist es die Lösung all unserer Probleme, Zeit zu haben? Meinen wir Zeit oder meinen wir Freizeit? Soll heißen, wenn wir weniger Arbeiten, haben wir dann mehr Zeit? Und die wichtigste Frage überhaupt, geht es uns dann besser, wenn wir mehr Zeit haben?

Denn es ist doch so – mal rein oberflächlich betrachtet – weniger Arbeit heißt nicht nur mehr Zeit, es bedeutet auch weniger Geld. Und heißt das im Umkehrschluss dann nicht, das wir weniger Mittel haben, unsere gewonnene Zeit zu nutzen?

Wenn man einen Arbeiter vor die Wahl stellt, ob er bei gleichem Lohn eine Woche mehr Urlaub möchte, oder lieber eine Gehaltserhöhung, glaube ich das viele den Urlaub nehmen. Aber wenn man die gleichen Leute fragt, ob sie für etwas weniger Geld eben diese Woche Urlaub mehr haben möchten, bin ich mir da gar nicht mehr so sicher.

Und genau hier kommt für mich die Frage aus, woran messen Menschen ihren Luxus, ihre Lebensqualität? An einer bestimmten Menge Geld oder Eigentum? Daran das sie am Wochenende essen gehen können, dass Sie ein großes Auto haben, ein Haus ihr eigen nennen, einen gepflegten Garten nachweisen können, und somit nach Außen gut dastehen, weil sie ins Schema F passen?

Oder messen wir unser Glück daran wie viel Zeit wir mit den Menschen im Leben verbringen können, die uns aus tiefstem Herzen etwas bedeuten? Daran wie oft wir unserem Partner, unserer Familie und unseren Freunden sagen, dass wir sie lieben, schätzen und gerne Zeit mit ihnen verbringen?

Klar, jeden, den man fragt, der wird sagen: „Wenn ich kann, nehme ich Option zwei. Verbringe Zeit mit meinen Lieben, lebe einfach so in den Tag hinein und genieße jede Minute.“ Aber können wir das, mal ganz abgesehen vom Faktor Geld, steckt es nicht in uns drin mehr aus unserer Zeit zu machen? Ist unsere Arbeit nicht auch gleichzeitig unsere Bestätigung, eine Bestätigung gut zu sein, gebraucht zu werden, und sogar eine Möglichkeit dem Alltag, also der zeit die wir haben zu entfliehen? Oder haben wir unsere Jobs wirklich nur, weil wir Geld verdienen müssen?

Das würde ja dann im Umkehrschluss bedeuten, wenn wir alle genug Geld bekämen, weil es zum Beispiel vom Himmel fällt, das dann kaum einer von uns arbeiten würde, fast alle zu Hause blieben und einfach nur glücklich ihre Zeit genießen würden.

Hier bin ich persönlich zweigeteilt, da ich ein Mensch bin, der aufgrund schlechter Erfahrung ein hohes Maß an Sicherheit braucht. Heißt, auf Geld bezogen: mir sind mir finanzielle Rücklagen wichtig, damit ich in einer Notsituation etwas habe. Ich könnte zum Beispiel, betrachte ich mein Leben zum heutigen Zeitpunkt, nie alles hinschmeißen und auf Weltreise gehen, solange bis kein Geld mehr da ist, dann wieder kommen und mal sehen was dann kommt. Dabei würden bei mir zu viele Ängste vor dem „Danach“ im Spiel sein. Auch wenn ich die Leute die das tun bewundre und ein Stück weit um ihre Erfahrungen und Erlebnisse beneide. Ich müsste wissen, was danach kommt …, wie es weiter geht und wovon es weiter geht. Ich mache zum Stand heute keine Schulden, wenn ich etwas haben möchte, kann ich es mir leisten, oder spare darauf.

ABER ich brauche Geld nicht um gut dazustehen, ich brauche kein großes Auto, kein Haus, einen tollen Job um zu zeigen, dass ich was erreicht habe. Ich brauche keinen materiellen Schnick Schnack, im Gegenteil, wenn ich ehrlich bin, fällt mir Geld ausgeben immer schwer …, aber was habe ich davon, wenn es irgendwo liegt und ich eventuell morgen nicht mehr da bin? Somit wenn ich es ausgebe, tue ich das gerne um mir Zeit zu nehmen, Zeit um mir mit meinem Mann die Welt anzusehen, so oft und soviel es geht, ohne den Bezug zur Heimat und den Menschen die hier leben und mir wichtig sind zu verlieren. Zeit für ein gutes Essen mit Freunden, Zeit um das Leben in dem Rahmen, der uns zur Verfügung steht zu genießen.

Ich persönlich glaube, das man die Frage nach Zeit und Luxus nicht pauschal beantworten kann, da sich jeder Mensch – Gott sein Dank – unterschiedlich definiert. Und wie sagt man so schön, jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden. Wobei ich genau das, wenn ich ehrlich bin, bezweifle, das jeder der sich im Hamsterrad der Zeit dreht, dort wirklich glücklich fühlt.

Sicher es wäre nun viel zu einfach  zu sagen, das jeder alles hinschmeißen soll, und beginnen soll nach Glück zu streben. Es gibt Schicksale und Umstände im Leben, die solch schlaue Sprüche schwer machen, oder gar nicht erst zulassen. Aber ein bisschen davon könnte uns allen (oder zumindest den meisten) nicht schaden. Denn ich glaube, dass wir im ganz normalen Alltagswahnsinn vergessen, dass es manchmal nur Bruchteile von Minuten braucht, und alles ist anders.

Also bin ich der Meinung, dass ganz egal wie man Zeit für sich definiert, wir uns mehr von genau dieser Zeit nehmen sollten, um geliebten Menschen zu sagen, was wir für sie empfinden, und um mit diesen Menschen Zeit zu verbringen. Wir sollten uns ein wenig mehr dieser Zeit auch für uns nehmen und einfach etwas tun, was uns und unserer Seele guttut. Bevor es aus welchem Grund auch immer nicht mehr geht.

Und das geht ganz ganz sicher auch ohne viel Geld.


 

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2 Kommentare

  1. Liebe Sonja,
    ein wirklich schön geschriebener Artikel!
    Und tolle Bilder dazu!

    Ich persönlich würde es für mich wichtig finden über die 24 Stunden Zeit die ich habe, frei verfügen zu können. Zeit mit meinen Lieben verbringen wann ich möchte… Schlafen wenn ich schlafen möchte….Arbeiten wenn ich arbeiten möchte….Reisen wenn ich reisen möchte…..
    Ich finde wir sind heute alle zeitlich ziemlich fremdbestimmt und haben viele zeitliche Vorgaben….und so hat man einfach selten die Muße „Man selbst zu sein“ Und arbeiten an sich ist ja kein Fehler 😉 Alles zur richtigen Zeit und in der richtigen Dosis…

    Liebe Grüße,
    Gaby

    • Liebe Gabi,

      ich freue mich wenn es Dir gefallen hat und lieben Dank.

      Ja wenn wir einfach so mit unserer Zeit machen könnten, was wir wollen, das währe schon ein Traum. Aber es stimmt schon dafür ist unser Leben doch etwas zu fremdbestimmt.

      Ganz liebe Grüße
      Sonja

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